Meditation und Rituale

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Meditation macht dich glücklicher und zufriedener!

Meditation heilt dich von körperlichen und psychischen Krankheiten.

Meditation hilft Dir, Dich selbst zu finden, und Deine Ziele – wie auch immer diese aussehen – zu verwirklichen.

Tippt man das Wort „Meditation“ einmal bei Google in die Suchzeile ein, trifft man rasch auf unzählige solcher „Schlagzeilen“. Doch was ist wirklich dran an diesen zahlreichen erstaunlichen Wirkungen? Inwiefern gibt es wissenschaftlich belegte Effekte von Meditation auf körperliches und geistiges Wohlbefinden? Was ist überhaupt Meditation und welchen kulturellen Ursprung hat sie? Diesen und noch einigen weiteren Fragen möchte ich im Rahmen dieses Blogartikels nachgehen und sie bestmöglich für Dich beantworten. Viel Spaß beim Lesen!


Beginnen wir zunächst mit der grundlegensten Frage:

Was ist Meditation?

Das Wort „Meditation“ stammt ursprünglich aus dem Lateinischen. Einige Übersetzungen leiten das Wort von „meditari“, übersetzt „über etwas nachsinnen“, ab (Sedlmeier, 2016), andere bevorzugen eine Ableitung von „meditatio“, „Ausrichtung zur Mitte“ (Stangl, 2020). Im Mittelalter benutzte man den Begriff Meditation beispielsweise, wenn man über etwas Spirituelles oder Philosophisches tief nachdenkt (Seldmeier, 2016).

Heutzutage gibt es für den Begriff Meditation keine einheitliche Definition. Genauso ist man sich auch bei der Frage, was eigentlich ganz konkret eine Meditation ausmacht, ein wenig uneinig. Schlussendlich gibt es hierbei keine richtige oder falsch Antwort. Was am Ende zählt ist, wie sich jeder individuell damit fühlt und den besten Zugang bekommt.
Das Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik umschreibt so beispielsweise eine Meditation als eine „in vielen Religionen und Kulturen geübte spirituelle Praxis“.
Hierbei solle sich durch Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen der Geist beruhigen und sich die Gedanken sammeln. Beschrieben wird der durch Meditation angestrebte Bewusstseinszustand – abhängig davon, welche Meditationstradition man betrachtet – mit Begriffen wie Stille, im Hier und Jetzt-sein oder Eins-sein.

Um diesen angestrebten Bewusstseinszustand zu erreichen, gibt es ebenfalls unterschiedliche Herangehensweisen, wobei sich zwei Hauptmethoden heraus kristallisieren:

a) Verbreitet ist die Methode der fokussierten Aufmerksamkeit, wobei sich bewusst auf ein Mantra oder den eigenen Atem fokussiert wird, um den Geist darüber zu zentrieren und die Gedanken ruhiger werden zu lassen.

b) Zudem existiert die Herangehensweise des offenen Gewahrseins. Hierbei befindet sich der oder die Meditierende in einer beobachtenden Position und versucht, alles wahrzunehmen, was mit ihm/ihr und um die eigene Person herum geschieht – ohne darüber urteilen zu wollen.

Darüber hinaus gibt es auch eine Form der Meditation, bei der bewusst eine Fähigkeit oder angestrebte Eigenschaft mental geübt wird, wie beispielsweise Geduld oder Nächstenliebe (Stangl, 2020). Diese Art der Meditation erinnert recht stark an Techniken aus dem Mentaltraining oder an Techniken des NLP… das sei aber hier nur am Rande angemerkt.

Hintergründe von Meditation

Wirft man einen Blick auf die kulturellen und religiösen Hintergründe von Meditation, fällt auf, dass die Meditation im Grunde Bestandteil einer jeden Weltreligion ist. Ob im Hinduismus, Buddhismus, Islam, Christen- oder Judentum – überall sind Aspekte der Meditation zu finden, manchmal auch nur versteckt oder unter anderen Namen. Die Art und Weise und in welchem Ausmaß Meditation praktiziert wird, ist hierbei so vielfältig wie die verschiedenen Strömungen selbst. Aber unabhängig davon, in welchem Rahmen eine Meditation stattfindet, das Ziel ist im Kern meist das gleiche: Erleuchtung, Erlösung, Erkenntnis (Sedlmeier, 2016).

Im Zuge des immer populärer werdenden Yogas und des sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Achtsamkeitstraining (engl. mindfulness) haben wahrscheinlich schon viele, die sonst nicht spirituell oder religiös sind, auch schon Bekanntschaft mit Meditationstechniken gemacht. Achtsamkeitstraining, wie es vielen von Jon Kabat-Zinn – der dem Thema Achtsamkeit in Gesellschaft und Wissenschaft im Laufe seines Berufslebens reichlch Bekanntheit verschaffte – vermutlich nicht unbekannt ist, ist im Prinzip entlehnt aus aus der buddhistischen Meditationspraxis. Auf Achtsamkeit basierende Methoden werden unter anderem zur Stressreduktion oder auch im Bereich der Psychotherapie angewendet.

Wir können also festhalten, dass Meditation häufig in spirituellen oder religiösen Kontexten praktiziert wird, jedoch auch immer mehr losgelöst von Religion und Spiritualität in verschiedensten Facetten in Therapie, Prävention und Freizeit zu finden ist und damit im alltäglichen Leben vieler Menschen bereits in irgendeiner Form angekommen ist.


Doch gibt es ganz konkrete, rationale oder gar wissenschaftlich basierte Gründe, Meditation zu praktizieren?

Welche Auswirkungen hat Meditation tatsächlich auf unseren Körper, Geist – auf unser Gehirn, wenn es doch sogar in psychotherapeutischen Kontexten genutzt wird?

Körperliche Auswirkungen von Meditation

Eines vorweg: Die Liste von (auch durch Studien belegten) Wirkungen ist schier unendlich lang. Daher möchte ich Dir im Folgenden nur ein paar prägnante Beispiele aus der wissenschaftlichen Forschung vorstellen. Egal, ob auf körperlicher oder geistiger Ebene, mit der Meditation ist uns eine Technik gegeben, zahlreiche positive Effekte und Impulse für uns und unser Leben zu bewirken.

Auch die Wissenschaft ist schon vor einiger Zeit auf das Phänomen der Meditation aufmerksam geworden und viele Wirkungen konnten in Studien bereits nachgewiesen werde:
So gilt beispielsweise als bestätigt, dass regelmäßige, wiederholte Meditationen einen größeren Erholungseffekt haben, als ein Urlaub – und nicht zuletzt auch viel preisgünstiger… (Epel et al., 2016).
Forscher konnten ebenso nachweisen, dass Meditationen und Achtsamkeitstrainings Übergewichtigen bei einer erfolgreichen Gewichtsreduktion helfen (Van De Veer et al., 2016; Mason et al., 2016).
Eine Gruppe von Neurowissenschaftlern konnte nachweisen, dass über Achtsamkeitsmeditationen sowohl Stress, als auch Entzündungsmarker im Blut – welche für chronische Entzündungen verantwortlich sind – reduziert werden konnten (Rosenkrank et al., 2013). Zudem ist es möglich über regelmäßige Meditationen das Immunsystem signifikant zu stärken und so beispielsweise der Grippe oder Erkältungsinfekten vorzubeugen (Barrett et al., 2012).

Und auch unser Gehirn wird über spirituelle Praktiken wie Meditation nachweislich beeinflusst und sogar aktiv verändert:
So kann bei regelmäßiger Meditationspraxis die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin verändert werden, was eine verbesserte Gedächtnisleistung und Selbstwahrnehmung zur Folge haben kann. Auch direkt an der Hirnstruktur können Veränderungen durch Meditation nachgewiesen werden: So bilden sich neue neuronale Kreisläufte über neue synapthische Verbindungen und Fortsätze von Nervenzellen aus (Santarnecchi et al., 2014), was eine bessere Vernetzung der Neurone untereinander bedeutet. Eine bessere Vernetzung der Neuronen untereinander bedeutet eine größere Leistungsfähigkeit des neuronalen Netzes und steht in Verbindung mit Intelligenz.

Meditation wirkt auf die Psyche

Auch auf psychischer Ebene gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit von Meditationen nachweisen. Um auch hier nur ein paar Beispiele zu nennen: Es kann über Meditationen die Konzentrationsfähigkeit verbessert (Ramsburg und Youmans, 2014) oder Symptome einer Depression gelindert werden (Engert et al., 2017). Durch die Reduktion von Stresssymptomen durch achtsamkeitsbasierte Methoden, können erfolgreich Angst- und Paniksymtome vermindert werden (Peterson und Pbert, 1992).


Sowohl auf körperlicher, als auch auf psychischer Eben geschieht also beim Meditatieren so unbeschreiblich viel mehr, als das äußerlich vermeintliche „Nichts-tun“. Bis wir die genauen Prozesse, die die positiven Effekte von Meditation erzielen, vollends verstehen, werden wohl noch einige Forschungsarbeiten notwendig sein…



Meditation und Rituale

Häufig steht die Praxis von Meditationen auch im Zusammenhang mit Ritualen zu Naturphänomenen, wie besonderen Wetterlagen, Planetenkonstellationen, oder Naturzyklen wie beispielsweise dem Mondzyklus. Seit menschengedenken sind wir in unserem Leben stets von wiederkehrenden Zyklen umgeben. Angefangen vom Tag- und Nachtrhythmus, bis hin zum Zyklus der Jahreszeiten.
Lange Zeit lebten die Menschen in enger Verbindung mit diesen Naturzyklen – vor allem solange es noch kein elektrisches Licht gab, waren die Rhythmen der Natur leitend für Phasen von Aktivität und Passivität des Menschen. Im indischen bzw. hinduistischen Kalender sind Purnima (Vollmond) und Amavasya (Neumond) auch heute noch feste Bestandteile.

Meditation und der Mond

Als nach der Sonne präsentester Himmelskörper für uns Menschen ist der Mond ein Träger starker Symbolik und Mystik. Als wiederkehrendes Phänomen sind Vollmond und Neumond markante Zeitpunkte, die zu einer Innenschau in der Meditation einladen.
Als Repräsentanz des weiblichen Prinzips (die Sonne verkörpert das männliche Prinzip) nutzen vor allem Frauen Meditation zu den Mondphasen:

Der Neumond als Symbol des Neuanfangs, aber auch der versteckten Anteile, der Schatten wird gerne genutzt, um der Thematik des Loslassens von Altem und der Manifestation des Neuen Raum zu geben. Ähnlich wie zu Neujahr Vorsätze für das kommende Jahr gemacht werden, kann der Neumond als Zeitpunkt genutzt werden, einen Samen für neue Intentionen, Pläne oder Ziele zu säen und zugleich Dinge aus dem vergangenen Zyklus zu verabschieden.

Der Vollmond dient als Symbol der Öffnung und Weite als Zeitpunkt, Emotionen viel Raum zu geben und die Früchte der Aussaat vom Neumond aktiv in der Wirklichkeit zu manifestieren und sie dort willkommen zu heißen.




Wer noch nie zuvor bewusst in Berührung mit Meditationen gekommen ist, für den ist das alles meist etwas befremdlich. Und es ist sicherlich nichts falsch daran, bei der Liste an zum Teil Versprechungen, die im Internet kursieren, immer etwas hellhörig und skeptisch zu werden. Dennoch möchte ich Dich von Herzen dazu einladen, Dich für die Meditation einmal zu öffnen. Es gibt wohl kaum etwas anderes, womit wir uns selbst so einfach und mit wenig Aufwand etwas Gutes tun können.

Alles was Du für den Anfang brauchst, bist du selbst und ein bisschen Deiner Zeit.

Sollte Dein Interesse für Meditationen nun geweckt sein, Du weißt aber nicht so recht, wie Du beginnen sollst, dann ist mein Basis Workshop Meditation genau das richtige für Dich. Vom 14. bis 17. April werde ich Dich in täglich einer Stunde an das Thema Meditation in Theorie und Praxis heranführen, damit Du Meditation mit Leichtigkeit kennen lernen und – wenn Du möchtest – in Deinen Alltag bringen kannst.

Wenn Du noch offene Fragen zum Thema oder zum Workshop hast, stehe ich Dir sehr gerne über das Kontaktformular zur Verfügung. Weitere Informationen folgen über Instagram und den Newsletter in den nächsten Tagen!

Quellen

Barrett, B., Hayney, M. S., Muller, D., Rakel, D., Ward, A., Obasi, C. N., … & West, R. (2012). Meditation or exercise for preventing acute respiratory infection: a randomized controlled trial. The Annals of Family Medicine10(4), 337-346.

Engert, V., Kok, B. E., Papassotiriou, I., Chrousos, G. P., & Singer, T. (2017). Specific reduction in cortisol stress reactivity after social but not attention-based mental training. Science Advances3(10), e1700495.

Epel, E. S., Puterman, E., Lin, J., Blackburn, E. H., Lum, P. Y., Beckmann, N. D., … & Tanzi, R. E. (2016). Meditation and vacation effects have an impact on disease-associated molecular phenotypes. Translational psychiatry6(8), e880.

Mason, A. E., Epel, E. S., Kristeller, J., Moran, P. J., Dallman, M., Lustig, R. H., … & Daubenmier, J. (2016). Effects of a mindfulness-based intervention on mindful eating, sweets consumption, and fasting glucose levels in obese adults: data from the SHINE randomized controlled trial. Journal of behavioral medicine39(2), 201-213.

Peterson, L. G., & Pbert, L. (1992). Effectiveness of a meditation-based stress reduction program in the treatment of anxiety disorders. Am J Psychiatry, 149(7), 936-943.

Ramsburg, J. T., & Youmans, R. J. (2014). Meditation in the higher-education classroom: Meditation training improves student knowledge retention during lectures. Mindfulness5(4), 431-441.

Rosenkranz, M. A., Davidson, R. J., MacCoon, D. G., Sheridan, J. F., Kalin, N. H., & Lutz, A. (2013). A comparison of mindfulness-based stress reduction and an active control in modulation of neurogenic inflammation. Brain, behavior, and immunity27, 174-184.

Santarnecchi, E., D’Arista, S., Egiziano, E., Gardi, C., Petrosino, R., Vatti, G., … & Rossi, A. (2014). Interaction between neuroanatomical and psychological changes after mindfulness-based training. PloS one9(10).

Sedlmeier, P. (2016). Die Kraft der Meditation: Was die Wissenschaft darüber weiß. Rowohlt Verlag GmbH.

Stangl, W. (2020). Meditation. Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Abgerufen unter: https://lexikon.stangl.eu/418/meditation/, am 03.04.2020, 13.00 Uhr
 
Van De Veer, E., Van Herpen, E., & Van Trijp, H. C. (2016). Body and mind: Mindfulness helps consumers to compensate for prior food intake by enhancing the responsiveness to physiological cues. Journal of Consumer Research42(5), 783-803.

Fotos von unsplash.

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