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Körperhaltung und Körpersprache verraten uns einiges über unser Gegenüber. Gleichermaßen verrät unsere Körperhaltung anderen Personen auf subtile Weise sehr viel über uns. So können wir die Stimmungslage, den aktuellen Gemütszustand oder auch zum Teil körperliche Leiden unserer Mitmenschen über die Signale, die der Körper unwillkürlich aussendet, „ablesen“. Kommt beispielsweise eine Person mit gesenktem Blick, nach vorne gekrümmten Schultern und einem schlurfenden Gang auf uns zu, sehen wir dessen Niedergeschlagenheit quasi schon von Weitem. Der Körper ist ein Spiegel unserer Emotionen. Doch diese Verbindung ist keineswegs eine Einbahnstraße. So wie unsere emotionale Haltung unsere Körperhaltung beeinflusst, bestimmt unsere Körperhaltung auch unsere Gefühlswelt.
Wissenswertes zu dieser unsichtbaren Verbindung zwischen Körper und Psyche sowie praktische Tipps, wie Du Dir dieses Wissen für Dein eigenes Wohlbefinden zu Nutze machen kannst, erfährst du in diesem Artikel.




Im vorangegangenen Blogartikel zum Thema „Psychoneuroimmunologie Teil 1/2″ in der letzten Woche konntest Du bereits erfahren, welche spannenden Erkenntnisse die Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie bereits darüber hat, wie sehr Körper, Geist und Seele untrennbar miteinander verbunden sind. Die starke, wechselseitige Beziehung zwischen dem Immunsystem, welches maßgeblich unseren allgemeinen körperlichen Gesundheitszustand bestimmt, unserer Psyche (hier vor allem der Grad von Stresserleben) sowie unseren erlebten Emotionen ist essenziell für das Verständnis einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen in Therapie und Coaching.

Die wechselseitige Beeinflussung von Körpersprache und -haltung und unserer Gefühlslage findet unbewusst statt. Wirklich spannend kann es sein, sich dieser wechselseitigen Beziehung so weit wie es eben geht bewusst zu werden und im nächsten Schritt zu erlernen, über unsere Körpersprache die eigenen Gefühle in eine positive Richtung zu beeinflussen (vgl. Stroch and Theiss, 2018).




Ich lade Dich hierzu zu einem kleinen Selbstexperiment ein:

Nimm‘ bitte eine Körperposition ein, als hättest du gerade eine traurige, belastende Nachricht erhalten. Vermutlich senkt sich ganz schnell („wie von selbst“) Dein Kopf, Dein Blick senkt sich nach unten und Deine Schultern neigen sich nach vorne. Verharre in dieser Position für 1-2 Minuten und beobachte Dich dabei aufmerksam:

Was spürst du?
– Fühlst Du Dich emotional anders?

– Wie ist Deine Stimmung jetzt?

Nun stelle Dir bitte vor, du hättest gerade eine großartige Nachricht erhalten und nimm eine entsprechende Körperhaltung ein. Ich wette mit Dir, dass Dein Körper nun wesentlich aufrechter ist, Dein Blick nicht mehr nach unten gerichtet und Deine Atmung vermutlich deutlich kraftvoller! Halte auch diese Position für 1-2 Minuten bei und fühle in Dich hinein:

Wie verändert sich Deine Stimmung?
– Was empfindest Du jetzt – was ändert sich durch die veränderte Körperhaltung?
– Hast Du etwa sogar zu Lächeln begonnen?


Wenn Du möchtest schreibe Deine Erfahrung aus diesem kleinen Experiment auf!
Das ist die Verbindung von Körperhaltung und Psyche (vgl. Wolf, 2020).




Fake it until you make it!


Wie kannst Du Dir diese Erkenntnis und dieses Wissen für mehr Wohlbefinden, Zufriedenheit und Selbstbewusstsein zunutze machen?
Ganz getreu dem Motto: „Fake it till you make it!“ (vgl. Stroch and Theiss, 2018).

Im Prinzip ist es unserem Körper egal, ob wir gerade tatsächlich glücklich und voller Selbstvertrauen sind, oder ob wir „nur so tun als ob„.
Es geht natürlich nicht darum Deine Gefühle und Emotionen, wie tiefe Trauer, Verletzung oder Angst einfach zu überspielen und zu verdrängen. Jede Emotion hat ihre Berechtigung und möchte (und sollte!) in jedem Fall WAHRGENOMMEN werden.
Wenn es Dir aber beispielsweise darum geht, Deinen Alltag mit allgemein mehr Leichtigkeit, Freude oder Selbstvertrauen zu durchschreiten oder Dir selbst hin und wieder einen zusätzlichen Motivationsschub zu verschaffen, dann können Dir die Tipps im folgenden Abschnitt helfen!
Letztlich ist auch eine positive oder optimistische Denkweise eine innere Haltung, die auf dem Prinzip von Gewohnheit beruht.




Mehr Glückshormone im Alltag!


  • Ein extra Schub Glückshormone gefällig, obwohl Dir das Lächeln gerade nicht so leicht über die Lippen kommt?
    Nimm einen Stift für mindestens eine Minute – besser länger – quer in den Mund und zeige deine Zähne. Dein Gehirn wird denken, dass du wirklich lächelst und belohnt dich mit Serotonin und Endorphinen, die dich dann tatsächlich glücklicher und zufriedner machen (Titze, 2018). (Vielleicht kennst Du diese Technik auch schon von der grandiosen Vera F. Birkenbihl – wenn nicht, kann ich Dir ihre Videos auf Youtube sehr empfehlen – zum Beispiel dieses hier.)

    Und wenn Du Dich traust, lache einfach mal laut los! Einfach so! 😀



  • Du stehst vor einer Prüfung oder einem wichtigen Gespräch, aber Zweifel nagen immer noch an Deinem Selbstbewusstsein?
    Dann könnte Dir die „Superhelden-Position“ helfen!
    Stelle Dich hierfür aufrecht, leicht breitbeinig und mit klarem nach vorne gerichtetem Blick hin, stemme Deine Hände in die Hüften. Du kannst auch einen ausgestreckten Arm mit zur Faust geballter Hand nach oben Richtung Himmel strecken – eben wie ein Superheld posieren würde. Atme nun für einige Minuten in dieser Position tief ein und aus. Du wirst sehen, wie du langsam ruhiger, fokussierter und selbstbewusster wirst (Carney et al., 2010).


Diese beiden Beispiele sind Klassiker aus der Körperpsychologie und dem sogenannten EMBODIMENT. Es gibt zahlreiche Methoden, wie du über Deine Körperhaltung Deine emotionale Haltung beeinflussen kannst. Vielleicht hast Du ja jetzt bereits eigene Ideen.
Es liegt nun an Dir, diese die Übungen im Alltag zu nutzen. Wie auch immer Deine kurz- oder langfristigeren Ziele im Leben aussehen mögen – überlege einmal, wie Du gehst, stehst, atmest – was Dein Körper ausstrahlen wird, wenn Du sie erreicht hast! Sieh‘ Dir an, wie Menschen, die Du als Vorbild ansiehst, durch das Leben gehen – was strahlt ihr Körper aus? Wie läuft ein Manager? Wie läuft ein Sportler? Wie läuft jemand der Freude, Selbstbewusstsein und Zufriedenheit ausstrahlt? Wie sieht dahingegen die Körperhaltung von jemandem aus, der an einer Depression leidet?

Und ich lade Dich ein, Dir selbst die Frage zu stellen und Dich einmal zu beobachten…

In welcher Haltung gehe ich durchs Leben?







Körper, Seele und Geist (Denken) sind sich gegenseitig beeinflussende Teile des Ganzen. Sei Dir Deiner Gesamtheit und Ganzheit bewusst und gehe behutsam mit Deinen Gefühlen und Gedanken um. Sie sind so viel mehr, als sie auf den ersten Blick vermuten lassen!




Das Thema Emotionsmanagement ist riesig und vor allem sehr individuell. Unsere eingefahrenen Denk- und Emotionsmuster zu verändern ist grundsätzlich immer möglich – egal, wie alt Du bist und wie Du bisher gelebt hast. Natürlich ist so ein Veränderungsprozess nicht von einem Tag auf den anderen getan – es braucht Zeit, Geduld und zum Teil auch Selbstdisziplin. Doch es ist machbar!

Gerne unterstütze ich Dich auch persönlich bei Deiner Veränderung und bei der Erreichung Deiner Ziele! Auch, wenn Du das Gefühl hast, Du möchtest zwar etwas ändern, aber noch nicht genau weißt, was es ist und wie Du anfängst, kann ich Dich dabei unterstützen, herauszufinden, was Du wirklich willst. Schreibe mir einfach über das Kontaktformular. Ich freue mich auf deine Nachricht!

Herzlichst,
Elina



Quellen

Carney, D. R., Cuddy, A. J., & Yap, A. J. (2010). Power posing: Brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological science, 21(10), 1363-1368.

Storch M., Theiss C. UGBforum 6/18, S. 294-297; zuletzt abgerufen unter: https://www.ugb.de/ugb-medien/einzelhefte/essen-lifestyle/embodiment-wie-die-koerperhaltung-die-psyche-beeinflusst/, am 17.04.20, 17.30 Uhr

Titze, M.: UGBforum Spezial 2018, S. 40-42; zuletzt abgerufen unter: https://www.ugb.de/gesundheitsfoerderung/lachen-ist-gesund/, am 18.04.20, 11.00 Uhr

Wolf, D. (2020); Körpersprache- ohne Worte reden- nonverbale Kommunikation: Wie die Körpersprache ihr seelisches Befinden beeinflusst. 1999-2020 PAL Verlag; zuletzt abgerufen unter: https://www.palverlag.de/Koerpersprache.html, am 18.04.20, 10.55 Uhr

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