Geschickte (Selbst-) Manipulation

WAHRNEHMUNG Teil 2/3

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung zum Thema Wahrnehmung (zum Teil 1 geht es hier).

Unsere Wahrnehmung wird immer durch verschiedenste Filter beeinflusst, mit denen wir zum – großen Teil unbewusst – unsere Welt mitsamt ihren Grenzen und Möglichkeiten erschaffen. Durch verschiedene Techniken können wir unsere Wahrnehmung verändern – und uns selbst somit größere Denk-, Möglichkeits-, und Handlungsräume erschaffen! Wie das geht, erfährst Du in diesem Artikel.



„Ich mach mir die Welt widewidewie sie mir gefällt…!“
Wer kennt dieses Lied nicht?! Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf hat es im Prinzip schon vorgemacht. Mutig und unerschrocken stellt Pippi Normen und Ansichten auf den Kopf. Was ihr nicht passt, macht sie halt einfach anders. Was können wir von ihr für unseren Berufs- und Lebensalltag lernen?


Im Titel dieses Artikels habe ich das Wort „Manipulation“ verwendet – bewusst.

Denn erfahrungsgemäß löst dieses Wort gemischte Gefühle aus. Viele Menschen verstehen unter Manipulation etwas Abtrünniges, Unethisches. Wer andere manipuliert, der bringt sie gegen ihren Willen dazu, in bestimmter Weise zu handeln. Wer sich selbst manipuliert, der ruiniert seine guten Neujahrvorsätze – schon wieder – und hat immer wieder eine Ausrede parat, warum es schon wieder (noch) nicht mit der Erreichung der gesetzten Ziele geklappt hat.


Doch ist Manipulation wirklich so schlecht?

Meiner Meinung nach steht dieses Wort zu Unrecht an so vielen Stellen in Verruf.

Von seiner lateinischen Herkunft her bedeutet MANIPULATION zunächst so etwas wie eine „Handvoll“ (lat. manus = Hand; plere = füllen).
Übersetzt werden könnte der Begriff also direkter als „Handhabung„; in der Medizin wird diese Bedeutung auch nach wie vor für die Beschreibung von Vorgängen und Verfahren verwendet.
Vor etwa 200 Jahren wurde Manipulation im deutschen Sprachgebrauch eher im Sinne von Handlungsweise oder gar Kunstgriff benutzt.
Im heutigen Sprachgebrauch wird Manipulation tatsächlich überwiegend negativ konnotiert – im Sinne von ungewollter Beeinflussung.
(vgl. DWDS, 2020)


Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Manipulation ist also eigentlich weder gut noch schlecht. Wie sonst auch ist die Bewertung in „gut“ und „schlecht“ eine menschengemachte.


Im Sinne der negativen Konnotation von Manipulation werden wir tagtäglich von allem um uns herum manipuliert: Nachrichten, Medien, Bücher, Werbung, die Menschen in unserem Umfeld, unsere Freunde, Kollegen, der Arbeitsplatz, unser Wohnort… alle Eindrücke und Erfahrungen, die wir machen, beeinflussen uns in irgendeiner Weise. Ob dies zu unserem „Guten“ oder „Schlechten“ geschieht, entscheiden wir letztlich selbst.

Wenn Du ein Ziel erreichen möchtest, manipulierst Du Dich selbst, wenn Du Dich mit einem negativen, demotivierenden Umfeld (Menschen, Orte, Medien – egal was) umgibst. Das ist dann für Dein Ziel natürlich nicht hilfreich und damit negativ.

Umgibst Du Dich hingegen mit Menschen, Themen, Eindrücken, die Deine Zielerreichung beschleunigen, die Dich unterstützen und bestärken, dann ist das definitiv ein richtiger Erfolgsbooster – und damit für Dein Ziel natürlich positiv zu bewerten.

Beispiel: In Anbetracht der Corona-Krise und den damit verbundenen gesellschaftlichen und individuellen Herausforderungen könnte es ein Ziel für jeden von uns sein, mit mehr Gelassenheit, Ruhe und Frieden unseren Alltag zu bestreiten.
Viele Menschen lassen sich durch den ständigen Einfluss der Medien und negative Gedanken in geradezu Spiralen aus negativen Gefühlen (Angst, Sorge, Panik, Grübeln) reißen. Objektiv UND subjektiv betrachtet, helfen solche Gefühle niemandem: Sie schwächen das Immunsystem, unsere Resilienz und verschlechtern langfristig unsere körperliche und mentale Gesundheit. Im Umfeld ist damit auch niemandem geholfen – denn Gefühle stecken an: Ob es Freude ist oder Panik – beides verbreitet sich in gewissem Maße auf Dein Umfeld!

Du kannst nun wählen, mit welchen „Nachrichten“, Menschen, Gesprächen und eigenen Gedanken Du Deinen Geist fütterst! Frage Dich: Was hilft mir mein Ziel zu erreichen (mehr Gelassenheit, Ruhe & inneren Frieden)?
Womit helfe ich meinem Umfeld am meisten?


Der ganz entscheidende und interessante Punkt hierbei ist eben, dass es an Dir selbst liegt, die Einflüsse, die auf Dich einwirken (dürfen) zu prüfen und zu wählen. Bestenfalls wählst Du weise, indem Du Dir sowohl Deines Ziels, als auch der Faktoren bewusst bist, die Dich beeinflussen!


Gezielte (also ziel-gerichtete) Selbstmanipulation sollten wir meiner Meinung nach viel mehr einsetzen – und am besten schon in der Schule lernen! Denn wenn wir uns in funktionaler Weise selbst manipulieren, kann dies das Leben ungemein leichter, schöner, freudiger, lustiger oder friedlicher machen!

WIE Du leicht lernen kannst, zielgerichtet Selbstmanipulation zu betreiben, das zeige ich Dir im nächsten Absatz.


Auf den Rahmen kommt es an

Manch ein Rahmen passt einfach nicht um ein bestimmtes Bild.
Und manches Bild einfach nicht in den Rahmen…


Ich möchte Dir hier kurz die Methode des REFRAMINGs vorstellen. Reframing, also das Neu-Rahmen, kann eine leicht zu erlernende Form der Selbstmanipulation sein. Reframing kann Dir helfen, gedanklich neue Rahmen zu setzen, um vor allem Dinge anders zu betrachten, die Dir unangenehme Gefühle bereiten und sie umzudeuten in Möglichkeiten, die Dir ein besseres Gefühl geben.

Die Fakten verändern sich dadurch nicht. Lediglich die Art, die sogenannten Gegebenheiten zu interpretieren und zu deuten verändert sich und daraufhin die Gefühlslage dazu.

Klingt simpel – ist es auch – und im Alltag höchst hilfreich! 😉


Unterscheiden lassen sich allgemein zwei Arten von „Neurahmungen“:

KONTEXT-Reframing und BEDEUTUNGS-Reframing

Im folgenden möchte ich Dir beide Varianten anhand von Beispielen erklären.

Kontextreframing

Es gibt einen Rahmen (=Kontext), indem eine bestimmte Sache sinnvoll ist!

Ob es sich um eine Verhaltensweise, eine bestimmte Fähigkeit oder einen Glaubenssatz handelt… in irgendeinem Kontext hat sich diese schon einmal als sinnvoll, also hilfreich erwiesen, sonst hätte das Gehirn diesen Vorgang normalerweise nicht gespeichert.

Gibt es eine Eigenschaft oder Eigenart, die Du selbst oder andere gerne als „zu sehr“, „zu viel“ oder „zu wenig“ beschreiben?

Dann lade ich Dich ein, Dich einmal zu fragen, in welcher Situation diese Eigenschaft „genau richtig“ ist.

Zum Spaß kannst Du diese Übung auch wunderbar mit Deinem Partner / Deiner Partnerin, einem guten Freund oder einer Freundin machen: Du nennst eine Eigenschaft oder Fähigkeit, die Dir irgendwie unpassend oder „nicht so richtig“ erscheint und Dein Gegenüber darf Rahmen nennen, wann diese Eigenheit „genau richtig“ ist! Dann wechselt ihr die Gesprächsrollen. Ihr werdet vermutlich überrascht sein über die Vielzahl an neuen Rahmen (=Sichtweisen).

Beispiel: Derzeit fühlst Du Dich durch die aktuelle Situation im Außen stark verunsichert, Du hast das Gefühl „zu sensibel“ zu sein, was die Nachrichten und Probleme auf der Welt betrifft.

Reframe: Im Gespräch mit Menschen, die Dir nahe stehen oder auch in manchen Berufen ist es sehr hilfreich, sensibel, feinfühlig oder besonders empathisch zu sein.


Bedeutungsreframing

Bedeutungen stehen nicht fest. Die Dinge in der Welt haben an sich keine bestimmte Be-Deutung. Erst wir Menschen mit unserem menschlichen Gehirn geben Umständen, Verhaltensweisen oder Situationen eine Bedeutung, indem wir interpretieren.
Wir „Be-deuten“ auf Basis unserer Erfahrung, unseres Wissens, unserer aktuellen Stimmung, der zuletzt gesammelten Eindrücke und Reize…

Die Bedeutungsgebung beziehungsweise Interpretation bestimmter Umstände, Ereignisse oder Verhaltensweisen ist abhängig von zahlreichen Faktoren und höchst individuell.

Beim Bedeutungsreframing bleibt der Kontext, also der Rahmen der Gleiche. Aber das Bild, welches sich in diesem Rahmen befindet, kann ich einmal in hellem Licht, mal bei wenig Licht – durch eine rosarote Brille oder in schwarz-weiß betrachten… Es gibt nahezu unendlich viele Möglichkeiten!

Beispiel: Dieses Mal nicht Corona 😉
Du stehst im Supermarkt an der Kasse und wirst von einer fremden Person grimmig angemault. Bedeutung reflexartig: „Diese Person hat ein Problem mit mir!“
Möglicherweise zerbrichst Du Dir auch noch den Kopf, was Du falsch gemacht haben könntest; warum genau Du angemault wurdest… das Resultat sind schlechte Gefühle, zumindest Unbehagen.

Reframe: Viel wahrscheinlicher ist – und das ist in diesem einfachen Beispiel vermutlich den meisten Lesern sofort einleuchtend – dass diese fremde Person einfach nur einen schlechten Tag hat oder vermutlich zu sich selbst nicht sehr freundlich sein kann, und deshalb nach außen hin ebenso agiert.

Genau WISSEN, was die WAHRHEIT in einer solchen Situation ist, wirst Du vermutlich nicht. Das muss auch kein Mensch. Denn es ist nicht relevant. Höchst relevant ist hingegen, wie Du gefühlsmäßig aus dem Supermarkt hinaus gehst. Mit dem zweiten Frame wird das aller Wahrscheinlichkeit entspannter, zufriedener, gelassener sein, als mit dem ersten Beispiel. Und damit tust Du Dir und Deiner Gesundheit einen riesigen Gefallen!
Und nur das zählt.



Wenn Du mehr zum Thema Wahrnehmung und Reframing wissen möchtest oder Dich individuell bei Deinen Themen unterstützen lassen möchtest, dann schreibe mir sehr gerne über das Kontaktformular.

Ich freue mich auf Deine Nachricht!

Herzlichst
Elina

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