Embodiment – Verknüpfung von Körper & Psyche

Lesezeit ca. 4 min


Embodiment heißt übersetzt „Verkörperung“.
Und dieser Name ist Programm: Die Forschung und Techniken rund um das Embodiment beschäftigen sich mit der Tatsache, dass die psychische Prozesse stets in den Körper eingebettet sind. Emotionen und Gefühle stehen in einer untrennbaren Verknüpfung mit dem Körper (Tschacher et al., 2012). Ist dir diese Verbindung bewusst, kann sie dir ein wertvolles Mittel im (emotionalen) Selbstmanagement sein. Mehr dazu in diesem Blogartikel.

Heutzutage ist bereits weitläufig bekannt, dass die Art wie wir fühlen, unsere Umwelt wahrnehmen und diese beurteilen, abhängig von unserem körperlichen Wohlbefinden ist. Geht es uns schlecht, ist irgendwie auch die ganze Welt schlechter als sonst. Die emotionale Stimmung gührt dazu, dass wir unsere Umwelt in einem anderen Blick – quasi mit einer anderen „Brille“ als sonst – wahrnehmen. Gleichermaßen hat unsere Wahrnehmung und Deutung der Welt natürlich eine Rückwirkung auf unser emotionales Erleben.

Wechselseitige Rückkopplung

Diese Beeinflussung beziehungsweise Wirkung vom Körper auf die Psyche ist keineswegs eine Einbahnstraße: Körper und Psyche beeinflussen sich gegen- und wechselseitig in einem unglaublich komplexen Netzwerk an Wirkweisen.

Die praktische Anwendung dieses Wissens umschreibt der Begriff des Embodiments. Wie wir uns selbst wahrnehmen und mit unserem Körper umgehen, bestimmt auch unsere psychische Verfassung.

Gemäß dieser Annahme ist also ein gutes, realistisches und liebevolles Körpergefühl essenziell für das eigenes, psychisches Wohlbefinden.


Mimik und Körperhaltung dienen natürlich der Darstellung unseres Gemütszustandes nach außen in unser soziales System, haben aber auch eine nach innen gerichtete Wirkung (vgl. Stangl, 2020). Wer glücklich aussieht, fühlt sich früher oder später auch glücklicher – gemäß der Regel „fake it until you make it“ („tu so, bis du es bist„), denn auf neurochemischer Ebene ist es egal, ob Du erst glücklich bist und dadurch lächelnd durch die Welt gehst oder erst lächelst, bis Dein Gehirn Dich für glücklich und zufrieden hält und Dir die entsprechenden Transmitter und Hormone sendet.

Wer Freude nach außen strahlt, erleuchtet damit auch sich selbst mit Freude.


Bedeutet es nun, wenn wir Techniken des Embodiments anwenden, dass sich dadurch automatisch unser Leben sich um 180° wendet und wir nur noch glücklich sind? So einfach funktioniert es natürlich nicht. Abgesehen davon sollte und kann es auch kein Ziel sein, im Leben nur in höchsten Glücksgefühlen durch die Gegend zu laufen – schon alleine evolutionär betrachtet ist dieser Anspruch unrealistisch.
Doch eine grundlegende Erkenntnis können wir daraus ziehen:

Der Körper hat einen signifikanten Einfluss auf unsere Gefühlswelt und unsere Informationsverarbeitung, also wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. Zu einem echten Lächeln gehört mehr als nur ein paar hochgezogene Mundwinkel. Doch ein ehrliches Lächeln, ein herzliches Lachen, beeinflusst unseren gesamten Körper. Und auch wenn wir in Stresssituationen nicht vollkommen das Ruder herumreißen können, hat eine scheinbar kleine Änderung in der Körperhaltung durchaus einen großen Einfluss auf unsere Psyche. Eine stressige, herausfordernde Situation und damit verbundene negative Gedanken lassen sich womöglich nicht immer vollständig stoppen, aber ein paar tiefe Atemzüge und das Lockern der Schultern, Hochstrecken oder nach hinten Ziehen der Arme („herzöffnende Übungen“ aus dem Yoga) lassen doch eine Menge Druck und Anspannung aus dieser Situation entfliehen. Und meist reicht das schon aus, um wieder klare Gedanken fassen zu können und wieder Herr der Lage zu sein. Die Selbstregulation über Embodimenttechniken kann Dir also ein effektives, strategisches Mittel im Selbst- und Stressmanagement sein (Storch und Theiss, 2018).



Probiere es doch einfach mal aus und lerne, welche Methoden für dich am besten geeignet sind. In dem Blogartikel über Psychoneuroimmunologie habe ich Dir bereits zwei Strategien dargestellt. Beispielsweise kann ein Stift zwischen den Zähnen ein Lächeln nachahmen und so zur Ausschüttung von Glückshormonen führen oder Dir die Superhelden-Pose vor Prüfungssituationen einen zusätzlichen Schub an Selbstvertrauen geben.

Daher gib doch vielleicht am heutigen Tag einmal besonders Acht auf Deinen Körper, Deine Gefühle und Gedanken. Gehe liebevoll und achtsam mit Dir selbst um, schenke Dir positive Gedanken. Jeder positive Anreiz wird sich auf anderen Ebenen Deines Seins wiederspiegeln.


In diesem Sinne,
Herzlichst,
Elina




Quellen

Stangl, W. (2020). Embodiment. Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Abgerufen unter: https://lexikon.stangl.eu/2175/embodiment/, am 15.05.20, 15.00 Uhr

Tschacher, Wolfgang & Storch, Maja. (2012). Die Bedeutung von Embodiment für Psychologie und Psychotherapie. Psychotherapie in Psychiatrie, Psychosomatischer Medizin und Klinischer Psychologie. 259-267.

Storch M., Theiss C. UGBforum 6/18, S. 294-297; zuletzt abgerufen unter: https://www.ugb.de/ugb-medien/einzelhefte/essen-lifestyle/embodiment-wie-die-koerperhaltung-die-psyche-beeinflusst/, am 15.05.20, 15.40 Uhr

Bild von pixabay

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.