Ernährung und Werte

„Du bist, was du isst!“ – Über hitzige, nicht-politische Diskussionen und persönliche Werte.

„Bist Du, was Du isst – willst Du sein, was Du isst – oder isst Du doch, was Du bist?“

Wenn Du beim Thema Ernähung eine bestimmte Haltung vertrittst, oder Dich nach einer bestimmten Art und Weise ernährst, weißt Du womöglich, wie hitzig eine Diskussion in diesem Zusammenhang schnell werden kann. Teilweise könnte man annehmen, es handle sich um grundlegende politische Diskussionen! – Doch gefehlt. Ernährungsthemen scheinen so manches Mal ähnliche Brennkraft zu haben…

Da werden sich Studien um die Ohren gehauen (natürlich bildlich gesprochen), Argumente hin- und hergewälzt und sicherlich ist daran auch schon die ein oder andere Bekanntschaft gescheitert und vielleicht sogar Freundschaft zerbrochen…

Was ist nun die „Wahrheit“ um unsere Ernährung?

Was ist nun eigentlich gesund?

Low Carb oder doch Low Fat?

Paleo oder Vegan?

…oder doch lieber eine Mischung, wie beispielsweise „Pegan“ (ja, richtig: Paleo + Vegan = Pegan; hab ich mir nicht ausgedacht).

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Hitzige Diskussionen und sich widerstrebende Argumentationen finden sich im Internet, in etlichen Foren und natürlich auch in den Buchhandlungen en masse. Hierbei auf dem „aktuellsten Stand“ zu sein, ist wahrscheinlich schlichtweg unmöglich. Kommen doch immer wieder neue Argumente, Studien und Erkenntnisse auf den Schirm.

Und als wäre das noch nicht unübersichtlich genug, widersprechen sich auch wissenschaftliche Studien. Fleisch ist gut – Nein, Fleisch ist schlecht. Milch ist gesund – Ach nein, sie macht doch krank… (das ist an dieser Stelle absichtlich stark vereinfacht, denn sonst würde ich hiermit womöglich auch diesbezüglich eine Diskussion lostreten :P).

Für den normalen Verbraucher scheint sich ein schier undurchdringlicher Dschungel aufzutun. Hinzu kommen Werbeversprechen zu bestimmten Nahrungsmitteln, Nahrungsergänzungen und Diätprodukten. Denn die Unsicherheit der Verbraucher zahlt sich für einige ja aus. Und zwar nicht wenig.

Während die einen sich also Gedanken machen, welche Lebensmittel überhaupt noch unbedenklich gegessen werden können, weil sie nicht vor Pestiziden triefen, oder ob lieber doch nur aus den Erträgen des eigenen Gartens Lebensmittel verzehrt werden sollten, oder aber ob man nun besser auf Kohlenhydrate gänzlich verzichten, oder einfach nur Zucker weglassen sollte, um Gewicht zu verlieren, essen die anderen einfach, was ihnen schmeckt, ohne sich in den kontroversen Diskussionen wieder zu finden. Punkt aus.


Doch woher kommen eigentlich diese krassen Unterschiede im Interesse für unsere Ernährung? – Hat doch Essen bei uns Menschen immer den gleichen Zweck: Den Körper am Leben und bestenfalls darüber hinaus Gesundheit und Vitalität zu schaffen…

Und gibt es eine Variante, mit der man vielleicht besser fährt?

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Ernährung ist Wert (-ung)

Fakt ist, dass die Art und Weise, ob und inwiefern wir uns mit unserer Ernährung auseinander setzen, zum großen Teil von unseren Werten abhängt.

Wer an einer Erkrankung leidet, für den wird das Thema und damit der Wert „Gesundheit“ eine andere Priorität bekommen, als für jemanden, der sich Zeit seines Lebens bester Gesundheit erfreut. Unsere aktuelle Lebenssituation ebenso, wie unsere gesamte Biografie spielen hierbei zusammen…

Was sind Werte?

Werte werden in der Psychologie als Qualitäten oder Eigenschaften beschrieben, welche vom Individuum oder aber auch von der Gruppe als wünschens- und erstrebenswert oder im moralischen Sinne als „gut“ betrachtet werden. Das kann sich auf Personen, auf Handlungen, Ideen oder Objekte beziehen. (1,2)

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Werte haben also etwas mit Bewertung zu tun. Es wird bewertet, was wichtig und richtig ist, und was nicht. Damit haben Werte eine wichtige wegweisende Funktion für das Individuum, um sich beispielsweise auch innerhalb seiner Gruppe angemessen zu verhalten. (Die Aussage „Das macht man aber nicht!“ könnte somit Hinweis auf einen Werteverstoß seitens eines Individuums innerhalb seiner sozialen Gruppe sein…)

Es wird hierbei schon deutlich, dass Werte sehr stark mit der Kultur, dem sozialen Umfeld und natürlich auch mit der Zeit, in der das Individuum lebt, zu tun haben. Zu einem großen Teil wird jeder einzelne von uns schon von der frühen Kindheit an unbewusst mit bestimmten Werten „geimpft“, ohne dass dies ein bemerkbarer Prozess wäre.

Zwar werden wir grundlegend von unserer Umwelt geprägt, was Werte betrifft, doch wir haben auch die Fähigkeit, sie zu hinterfragen. Dies kann geschehen, indem wir uns Werte, die uns momenten leiten, zunächst einmal bewusst machen. Wir können überprüfen, ob übernommene Werte für uns persönlich stimmig und noch aktuell sind. Und wir haben eine Wahl, Werte zu hinterfragen und uns gegebenenfalls neu auszurichten.

Werte bilden darüber hinaus und daraus unsere persönlichen Ziele und sind damit zugleich Kompass und Motor für das Vorankommen im Leben. (1)

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Aus diesem Grund werden unsere Werte in Situationen von Entscheidungen besonders gut sichtbar:

Denn wir werden immer bestrebt sein, eine Entscheidung bestmöglich in Einklang mit unseren Werten zu treffen!

Wenn sich die Alternative Entscheidungsmöglichkeit „falsch anfühlt“, oder „irgendwie nicht stimmig“, ist das ein Zeichen, dass sie gegen unsere persönlichen Werte strebt.

(Ich denke, jeder kennt dieses diffuse Gefühl; auch gerne Bauchgefühl genannt!). 🙂



Widersprüchliche Werte und Konfliktpotential

Wenn Werte unterschiedlicher Gruppen oder Individuen sich widersprechen, birgt dies in logischer Konsequenz Konflikt- oder zumindest reichlich Diskussionspotential. Denn jede Seite hat natürlich Argumente, die die eigenen Werte stützen.

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Und verständlich ist dies natürlich auch aufgrund der Wichtigkeit, die Werte für jeden einzelnen Menschen haben. Wie bereits oben genannt, beeinflussen unsere Werte die Entscheidungen, die wir im täglichen Leben treffen. Sie sind uns Kompass und Motivationsquelle. Sie prägen damit maßgeblich auch das, was wir als unsere Persönlichkeit und unseren Charakter wahrnehmen.

Werte sind definierender Teil unserer Individualität und gleichzeitig unserer sozialen Zugehörigkeit.

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Richtig oder Falsch?

Bei Werten geht es nicht um „richtig“ oder „falsch“. Werte sind biografischer Bestandteil eines jeden Menschen und dadurch auch unglaublich wichtig!! Man stelle sich vor, jegliche Werte eines einzelnen Menschen würden – wie und warum auch immer – von einem Moment zum anderen für „ungültig“ und „falsch“ erklärt und er würde dies darüber hinaus glauben. Was würde wohl passieren?

Wenn du versuchst, Dir einmal vorzustellen, alles, woran Du glaubtest und was Du für wahr hieltest, stelle sich als falsch heraus. Kein gutes Gefühl, oder? Schlimmstenfalls würde das einen psychischen Zusammenbruch bedeuten…

Unser persönliches Wertsystem gibt uns Halt. Und da es sich aus einem komplexen Zusammenspiel von unserer Zeit, unserer Kultur, der Gesellschaft und dem sozialen Umfeld, in dem wir leben, entwickelt, ist es auch bei keinem Menschen identisch.

Wir alle machen unterschiedliche Erfahrungen, deshalb sind unsere Werte mehr oder weniger verschieden.

Es gibt also keine „richtigen“ und „falschen“ Werte im moralischen Sinne. Es gibt nur für das Individuum stimmig und nicht stimmig.

Und dieser Satz lässt bereits durchblicken, dass es auf die Frage der „richtigen“ Be-wert-ung im Zusammenhang von Essen wohl auch keine absolute Antwort gibt, wenn wir sie vom Standpunkt des persönlichen Wertesystems betrachten.

Für eine Person mag wissenschaftliche Erkenntnis und Rationalität ein wichtiger Wert sein. Für diese Person wird es ein Bedürfnis sein, sich diesbezüglich auf dem aktuellsten Stand zu halten und die Ernährung dementsprechend zu gestalten.

Für eine weitere Person mag Umweltschutz oder die Vermeidung von Leid ein essenzieller Wert sein. Diese Person wird ihre Ernährungsentscheidungen aufgrund dieser Werte anders, als die erste treffen.

Ob Gesundheit, Fitness, Schönheit, Umwelt, einfach aus Genuss und des Geschmacks halber… die Motive, aus denen wir unser Essen auswählen, sind sehr vielfältig. Und hinter diesen Motiven stehen letztlich unsere persönlichen Werte.

Eine allgemeingültige und als vollständig anzusehende Liste gibt es diesbezüglich meines Wissens nach nicht. Eine Zusammenstellung jedoch, und weitere Informationen zu diesem Thema kann ich aus dem zwar schon älteren, aber immer noch spannenden Buch von Volker Pudel und Joachim Westenhöfer empfehlen. (3, S. 52 ff.)


Wenigstens eine Frage vom Anfang möchte ich aber noch zu beantworten versuchen:

„Und gibt es eine Variante, mit der man vielleicht besser fährt?“

Ich denke, die gibt es. Die Variante, in Übereinstimmung mit den eigenen Werten zu leben und eben auch seine Ernährung zu gestalten gibt ein gutes Gefühl, was wiederum Grundlage für Wohlbefinden und Gesundheit ist.

Egal, wie die persönlichen Werte aussehen, ich denke es ist hilfreich und wichtig, sich diese bewusst zu machen, sie immer wieder auf ihre Aktualität und ihre Zielführung hin zu überprüfen und achtsam nach ihnen zu leben.


Noch zwei kleine Beispiele:

1. Wenn meist nach dem Motiv „Genuss“ gegessen wird, weil ein wichtiger Wert das genießen des Moments ist, oder die Freiheit, darüber zu entscheiden, so sollte ich mich dennoch fragen, wo mich dieser Wert hinbringt. Ständig nach einem Genussmotiv zu leben, kann beispielsweise der Gesundheit unter Umständen schaden. Und wenn die Gesundheit leitdet, dann ist es mit dem Genuss auch vorbei…

2. Wenn ich Fleisch esse, weil das „schon immer so gemacht“ wurde und sich das eben „so gehört“, sollte ich dies vielleicht auch einmal hinterfragen. Bin ich denn bereit für einen Wert, der sich in etwa „Tradition“ nennen könnte, in Kauf zu nehmen, dass Lebewesen dafür sterben? Oder könnte dieser Gedanke vielleicht unangenehm werden, weil es für mich noch andere wichtige Werte gibt (Vermeidung von Leid; Umweltschutz o.ä.)….

Gerade beim Thema „Fleischessen“ gibt es sogar einen eigenen Begriff dafür, dass es einfach gemacht und in unserem Glaubens- und Wertesystem als völlig „normal“ angesehen wird: Karnismus ist ein Begriff, der von der amerikanischen Psychologin Melanie Joy stammt. Für Interessierte verlinke ich unten unter den Quellen die Seite der Albert-Schweitzer-Stiftung, die das Thema anschaulich darstellt. (4)


Fazit

Nun ja. Werte zu hinterfragen ist anstrengend und auch unter Umständen ziemlich unangenehm. Ich würde es dennoch empfehlen. Denn das bringt uns nicht nur beim Thema Ernährung weiter, sondern auch in jedem anderen Lebensbereich. Wenn wir uns unserer Werte bewusst sind, und auch wissen, warum sie uns wichtig sind und was sie tatsächlich für uns persönlich bedeuten, treffen wird schneller und zielsicherer Entscheidungen.

Das wiederum kann nicht nur das Selbstwirksamkeitsgefühl und auch das Selbstvertrauen steigern.

Denn für Vertrauen in mich selbst muss ich mich schließlich kennen. Und das kann bei den eigenen Werten anfangen und hört sicher nicht beim Thema Essen auf.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein genussvolles Wochenende!

Elina

Ein paar Quellen

(1) Stangl, W. (2018). Stichwort: ‚Werte‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. http://lexikon.stangl.eu/8845/werte/ (2018-07-19)
(2) Six, B. (2018). Werte. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie.
(3) Pudel, V., & Westenhöfer, J. (2003). Ernährungspsychologie: Eine Einführung. Hogrefe Verlag.

Autor: Elina Herrmann

Mein Name ist Elina Herrmann. Ich lebe in Berlin und liebe die Natur, gutes Essen und Fitness. In meinem Blog "Great Life Nutrition" schreibe ich meine Gedanken zu den facettenreichen Zusammenhängen zwischen Ernährung und ganzheitlichem Wohlbefinden auf. Aus gegebenem Anlass kommt jetzt noch der Reiseblog "Two_In_Peru" dazu. Viel Freude beim Lesen!

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